Gemeinde verhandelt mit neuem Träger RP vom 04.02.2015

2913219967Die Evangelische Kirchengemeinde Rheinberg steckt in erheblichen Geldnöten, kann aber nicht insolvent gehen. Wer das Kinderhaus mit Familienzentrum an der Fossastraße übernimmt, entscheidet sich in den nächsten Tagen.

Die Evangelische Kirchengemeinde Rheinberg ist in großer finanzieller Not und wird sich von ihrem Kinderhaus an der Fossastraße trennen: Diese Nachricht in der RP traf die Stadt gestern ein wie ein Hammerschlag.

Pfarrer Udo Otten, Vorsitzender des Rheinberger Presbyteriums, schlug gestern deutlich moderatere Töne an. Auf ihn kommen viele Gespräche zu: mit den möglichen künftigen Trägern des Kinderhauses, mit dem Kirchenkreis als Aufsichtsbehörde und mit der Stadt, die an der Finanzierung des Kinderhauses nicht unwesentlich beteiligt ist.

Der Moerser Pfarrer Torsten Maes, als Synodalassessor Stellvertreter des erkrankten Superintendenten Ferdinand Isigkeit, sagte gestern sehr deutlich: „Die Rolle der Stadt Rheinberg bei der Finanzierung des Kinderhauses kann nicht genug gewürdigt werden. Die Stadt beteiligt sich an den Betriebskosten in weitaus höherem Maße als in anderen Städten üblich.“ Dennoch sei die finanzielle Schieflage vor allem ein strukturelles Problem und in Zusammenhang mit dem Kinderbildungsgesetz (KiBiz) zu sehen.

Nicht nachvollziehen kann Torsten Maes Kritik des Kollegen an der Verwaltungsreform. „Es ist nicht richtig, was da gesagt wurde. Durch die Verwaltungsreform, bei der drei Verwaltungsämter zusammengelegt wurden, gibt es klar weniger Mitarbeiter. Einige Planstellen sind nicht wieder besetzt worden. Richtig ist, dass es zu Verschiebungen bei der Kostenverteilung kommt, und da kommt Rheinberg möglicherweiser schlechter weg.“ Es müsse auch deutlich gemacht werden, dass eine Kirchengemeinde nicht insolvent gehen könne wie ein Unternehmen, weil es sich um unterschiedliche Körperschaften handele. Sollte eine Gemeinde zahlungsunfähig sein, käme es zu einer „Ersatzvornahme“. Dann würde zunächst der Kirchenkreis und im zweiten Angang die Landeskirche die Kosten tragen. Der Kirchenkreis Moers werde jetzt allerdings nicht in die Bresche springen. Torsten Maes: „Wir sind jedoch bei der Beratung sehr nah dabei.“ Theoretisch könne der Kirchenkreis das Presbyterium als Entscheidungsorgan der Rheinberger Gemeinde auch absetzen und durch einen Bevollmächtigten ersetzen, „aber das haben wir derzeit nicht vor. Wir arbeiten Schulter an Schulter“. Dem Kirchenkreis sei es wichtig, christlich geführte Kindertageseinrichtungen zu erhalten.

Pfarrer Udo Otten bestätigte gestern: „Wir sind in guten Gesprächen mit dem Kirchenkreis.“ Die Gemeinde werde einen neuen Träger für das Kinderhaus suchen. „Wir verhandeln mit zwei Interessenten. Einer ist schon abgesprungen“, so Otten. Die durchgängige Betreuung der Kinder sei zu „zweieinhalb Millionen Prozent sicher“. Eltern und Erzieherinnen müssten sich keine Sorgen machen. Es werde keinen Bruch geben. Sehr dankbar sei er dem Team des Kinderhauses, das sich mit viel Ruhe mit dem Thema auseinandersetze. Im Übrigen bleibe die Immobilie an der Fossastraße im Eigentum der Kirchengemeinde.

Bis zum 15. März müsse feststehen, wer als neuer Träger ins Boot komme, weil die Anmeldungen dann dem Landesjugendamt gemeldet werden müssen. Das sei zeitlich allerdings kaum zu schaffen. Deshalb suche man jetzt mit der Stadt nach einer Lösung. Er bedaure, dass die Stadt Rheinberg vermutlich die Suppe auslöffeln müsse und für die Deckung des Defizits (in diesem Jahre voraussichtlich 138 000 Euro) aufkommen müsse. Pfarrer Otten: „Ich bin aber guten Mutes, dass wir das hinbekommen.“

Am Dienstag, 10. Februar, steht der Trägerwechsel auf der Tagesordnung im Jugendhilfeausschuss, der ab 17 Uhr im Stadthaus, Raum 249, tagt.

Von Uwe Plien

 

 

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