Kinderhaus : Hier wird Platz gemacht WAZ 09.11.2010

Umbau

Am Dienstag, 09.11.2010, wird das evangelische Kinderhaus in Rheinberg umgebaut und erweitert. Foto : Markus Weißenfels / WAZ FotoPool

Rheinberg. Tatort: Kindertagesstätte der Evangelischen Kirchengemeinde. Über der Tür des lichten Gebäudes steht: „Familienzentrum –Kinderhaus Rheinberg“. Drinnen wimmelt es nicht nur von Kindern, sondern derzeit vor allem von Handwerkern.

Am Jahresende soll alles fertig sein. Auch der Umbau im Haus, besonders die Nassräume, werden saniert. Der Grund für den Ausbau: Der große Andrang von Kindern. Der Anbau der neuen Turnhalle schafft Luft. Die alte kann zu Ruheräumen und einem Mehrzweckraum umgebaut werden. „Der auch für Meditation genutzt werden kann.“

„Wir haben eine große Nachfrage nach Tagesplätzen“, sagt Bettina Stermann, die Leiterin der Einrichtung. 75 Kinder in vier Gruppen, davon 16 unter drei Jahren (U3), Jüngstes neun Monate, betreuen die zwölf Erzieherinnen. Schon für die ist der Platz eng. Hoch sind die Ansprüche. So müssen heute für die unter Dreijährigen separate Wickelräume her, Bettchen für die Mittagsruhe und vieles mehr. „Da war der Anbau dringend nötig.“ Damit ist ihre Tageseinrichtung auf der Überholspur. „Wir waren der erste Kindergarten, der eine Betreuung unter Dreijähriger in Rheinberg anbot“, sagt sie „Der Bedarf ist ungeheuer groß.“ Alleine mehr als 60 Namen stehen auf der Warteliste. Pro Woche gibt es etwa zwei Anmeldungen.

Viele Formen
von Familie

„Es ist natürlich schön, wenn ein Kind in der Familie aufwächst. Aber die Zeiten haben sich geändert“, weiß Bettina Stermann. „Vielfach ist einer alleine nicht mehr in der Lage, die Familie zu ernähren. Da sind beide Elternteile gezwungen, arbeiten zu gehen.“

So startete die Evangelische Tagesstätte, heute als Familienzentrum qualifiziert, als erste 2006 gleich mit neun U3-Kindern. „Das Jüngste war vier Monate.“

Wenig familienfreundlich sind Öffnungszeiten, weiß die Leiterin. Derzeit ist die Tagesstätte von 7.30 bis 16.30 Uhr offen. „Zu kurz für berufstätige Eltern“, stellt sie fest. Gerne würde sie länger öffnen. „Wir haben schon überlegt, Betreuung von 6 bis 22 Uhr anzubieten.“ Bedarf ist da. Alleine drei verwitwete Väter hat sie. „Die haben massive Probleme mit derzeitigen Öffnungszeiten: Schaffen es mit der Arbeitszeit einfach nicht, die Kinder erst um halb Acht zu bringen und vor halb Fünf abzuholen.“ Viele berufstätige Mütter auch nicht. „Wenn dann keine Verwandten helfen, haben die ein Problem.“

Einmal im Jahr befragt sie die Eltern. Stets das Ergebnis: „Frühere Öffnung – bis in den Abend offen.“ 19 oder 20 Uhr könnten sich die Erzieherinnen vorstellen, auch früher zu öffnen. Doch dann müsste Rheinbergs Politik Ernst machen. „Mit dem derzeitigen Personal ist das nicht zu machen.“ Gerne hätte sie auch einen Mann im Team. „Alleine für das Rollenverständnis wäre das für die Kinder wichtig.“

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