Kirchengemeinde droht die Insolvenz RP vom 03.02.2015

SteinhausOttenRheinberger Pfarrer Udo Otten: Die Gemeinde trennt sich vom Familienzentrum Kinderhaus an der Fossastraße.

„Es kann uns sogar passieren, dass wir am Ende des Jahres zahlungsunfähig sind.“ Diese düstere Prognose stellt Pfarrer Udo Otten angesichts des Haushaltsentwurfs für die Evangelische Kirchengemeinde Rheinberg, der ein Minus von 138 000 Euro voraussieht. Die Gründe für die akute wirtschaftliche Misere seien vielfältig, aber aus Sicht des Seelsorgers auf gar keinen Fall auf eine unsolide Haushaltsführung des Presbyteriums zurückzuführen.

Drei „Knebel“ macht Udo Otten für das Dilemma verantwortlich. Da wäre zum einen das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) des Landes NRW, das die Zuschüsse regelt, die jeder Träger einer Kindertageseinrichtung vom Land erhält. 88 Prozent der Kosten für jedes Kind sollen damit abgedeckt werden, zwölf Prozent kommen von der Stadt. Dennoch liegt der Eigenanteil für die Gemeinde bei rund 80 000 Euro jährlich, und es werden mehr. Otten: „Die jährliche Steigerung liegt bei zwei Prozent, aber allein die Gehälter sind in den letzten Jahren teilweise um sechs Prozent gestiegen.“

Ein weiterer Grund liegt nach Ansicht des Pfarrers in der neuen Verwaltungsstruktur des Kirchenkreises Moers: „Im neuen Verwaltungsamt sind zwar viel mehr Mitarbeiter beschäftigt, auf die Qualität wirkt sich das aber nicht aus. Wir warten immer noch auf die Bilanz aus dem Jahr 2012.“ Dazu verursacht diese neue Verwaltung enorme Kosten. 106 800 Euro muss die Gemeinde heute schon dafür bezahlen, künftig werden es jährlich 10 000 Euro mehr, prognostiziert Otten. Hinzu kommt die Umstellung auf das „Neue kirchliche Finanzwesen“, mit weitreichenden Auswirkungen auf die Gemeinde. „Diese doppelte Buchführung hat über Nacht dazu geführt, dass unsere Kirchengemeinde aufgrund von Gebäudeabschreibungen, Zwangsrücklagen und Zwangspauschalen ein unglaubliches Defizit anhäuft, obwohl sich an unserer sparsamen Ausgabenpolitik nichts geändert hat.“

Schweren Herzens hat sich das Presbyterium jetzt dazu entschlossen, die Reißleine zu ziehen. Das Evangelische Familienzentrum Kinderhaus an der Fossastraße, die größte Kindertageseinrichtung der Stadt und seit 1956 unter der Obhut der Kirche, soll in eine andere Trägerschaft übergehen. Nun wird, mit Unterstützung der Stadt, mit drei möglichen Nachfolgern verhandelt.

Dass eine Änderung der Trägerschaft Auswirkungen auf die 14 Mitarbeiter der Einrichtung haben wird, ist bereits im Vorfeld abzusehen. „Alle drei haben uns gesagt: Eure Personalkosten sind zu hoch. Unser Problem ist, dass wir unsere Mitarbeiter fair bezahlen“, so Udo Otten. Der Erhalt der Arbeitsplätze steht bei den Verhandlungen aber an oberster Stelle, dafür hat man sich sogar rechtlich beraten lassen. „Niemand wird arbeitslos, das ist für uns das Wichtigste. Ich werde die Einrichtung auch in Zukunft hoch erhobenen Hauptes besuchen können“, verspricht Otten.

Von Erwin Kohl

 

 

 

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