Partner fürs Leben WAZ 08.10.2007

Partner fürs Leben

Rheinberg, 08.10.2007, ANTONIA RÖDER

ELTERNARBEIT. Das evangelische Familienzentrum im Kinderhaus bietet vielfältige Angebote für Erwachsene. Am Samstag dürfen Interessierte den Pädagoginnen über die Schulter gucken.

RHEINBERG. Die Erprobungsphase haben sie überstanden: Nachdem Pfarrer Udo Otten, Leiterin Bettina Stermann und die Mitarbeiter der evangelischen Kindertageseinrichtung in Rheinberg etwa ein Jahr lang alle Aktivitäten im Bereich der Elternarbeit minutiös dokumentiert hatten, dürfen sie sich mittlerweile Familienzentrum im Kinderhaus nennen – mit Zertifikat. „Damit rückt die Stärkung und Förderung von Kompetenzen der Eltern im Bereich der Erziehung in den Fokus“, erklärt Bettina Stermann.

Pilotprojekt in NRW

Die Bewerbung hatte die Tagesstätte beim Land NRW im Rahmen eines Pilotprojektes eingereicht – zurück kam ein 150 Seiten starker Anforderungskatalog. Hauptproblem: Das begrenzte Raumangebot. Die Tagesstätte beherbergt 80 Kinder, die auf drei Ganztagsgruppen und eine Regelgruppe verteilt sind. Damit sind die Räume tagsüber voll belegt.

Die Angebote für Eltern finden deswegen entweder in der Frühe oder in den Abendstunden statt. Unter ihnen das morgendliche Elterncafe?: „Hier soll in lockerer Runde bei einer Tasse Kaffee Schwellenangst abgebaut und eine Vertrauensbasis geschaffen werden“, sagt Stermann. Die Eltern weigerten sich über etwaige Überforderungen zu sprechen – aus Angst vor dem Jugendamt. Dazu gebe es jedoch keinen Grund: „Das Familienzentrum sieht sich als Partner, der vermitteln will“, stellt Stermann klar. Regelmäßig lädt das Zentrum deshalb Referenten von Kooperationspartnern wie der Caritas, der Sozialpädagogischen Familien-, Kinder- und Jugendbegleitung (Sofa), Logopäden oder Kinderärzte ein. Beim nächsten Treffen wird eine Mediatorin zu Gast sein, die Hilfe bei Scheidungsfragen und bei der Aufarbeitung des Trennungsschmerzes gibt. Solche Angebote würden besonders von Zugezogenen und Eltern mit schlechter sozialer Lebenssituation genutzt, so Stermann.

Religiöse Themenabende

Auch religiöse Themenabende sind Teil des Angebots: Gemeinsam mit den Eltern versucht Pfarrer Otten Antworten auf Lebensfragen wie „Wie spreche ich mit meinen Kindern über das Thema Tod?“ zu finden. Eltern von ehemaligen Tagesstättenkindern bieten darüber hinaus Kurse wie Erste Hilfe oder Homöopathie für Kinder an.

Über fehlendes Engagement von der Elternseite kann sich Bettina Spermann nicht beschweren, an anderen Stellen hapert es noch: Um das Platzproblem in den Griff zu bekommen, möchte das Familienzentrum verstärkt Räumlichkeiten im Gemeindezentrum Annaberg nutzen. Gespräche hierzu dauern noch an. Auch über eine Finanzspritze vom Land herrscht Unklarheit: Für die Erprobungsphase bekamen sie 12000 Euro. Ob und in welcher Höhe in Zukunft gezahlt wird, weiß Spermann nicht. „Das Geld ist für Fortbildungen gedacht, an denen unsere Mitarbeiter/innen regelmäßig teilnehmen sollen“, erklärt sie. Das Budget sei äußerst knapp bemessen, schließlich müsse man auch neue Sachgegenstände wie einen Beamer für Präsentationen oder große Stühle für die Erwachsenen anschaffen. Ein langfristiges Konzept für das Zentrum soll Ende des Jahres erstellt werden. Bis dahin will man weitere Kooperationspartner gewinnen.

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